Natalie Harapat | ... das bekommt man nie wieder sauber
Yesterday ist dieses Foto entstanden bei #lesenamtresen in Pits Pinte in Gießen. Ich habe nicht diesen Text gelesen, weil er sehr kurz ist. Aber er ist auch gut, also hier.
Natalie Harapat, Autorin, Harapat, Natalie, Entzweit, Schlussausende, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin, Köln, Wetzlar, Gießen, Biebertal
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... das bekommt man nie wieder sauber

… das bekommt man nie wieder sauber

Yesterday ist dieses Foto entstanden bei #lesenamtresen in Pits Pinte in Gießen. Ich habe nicht diesen Text gelesen, weil er sehr kurz ist. Aber er ist auch gut, also hier:

Hat die Arme um meine Schultern gelegt und war da.
Stunden, Tage, Wochen, Monate.
Und jetzt alles auf Null.

Liege auf dem Rücken und stelle mir vor, was nicht mehr ist.
Presse meine Lippen aufeinander.
Nichts ändernd.
Vorbei ist, was vorbei ist, was vorbei ist.

Öffne Schränke und begegne Erinnerungen.
Nehme sie mit an den Tisch und denke sie durch.
Tränen bahnen sich ihren Weg die Wange entlang,
springen vom Kinn auf die Brust und drücken alles zusammen als bestünden sie aus Zement.

Weine über Monate nicht geweinte Füllstände leer und noch mehr.
Gehe an Reserven, beute mich aus.
Was-wäre-wenn-Szenarien entstehen,
schüttle den Kopf und versuche die Gedanken so wegzuschubsen,
nach rechts, nach links, ich versuche es nochmal nach rechts
doch wie durch ein zu großes Sieb entweichen die kleinen Momente, in denen du meine Hand gehalten hast.
Und sind präsent und da und tun weh.

Von einen Tag auf den anderen ist verschwunden, was fester Bestandteil von etwas war.
Hat eine Lücke hinterlassen, in die sich jetzt alles reinsetzt,
so wie in die Ecken von Wohnräumen.
Das bekommt man nie wieder richtig sauber und jedes Mal, wenn man dort putzt,
wird es einem schmerzlich und wütend-machend –
ohne etwas dagegen tun zu können – bewusst.

Ich weiß wirklich nicht, was dieses dumme Leben mit uns vorhat.
Warum es dich überhaupt in meine Wahrnehmung gespült hat.
Warum du mir überhaupt so nah kommen konntest.

 

Jetzt sitzen wir an zwei entgegengesetzten Enden und sind fassungslos.
Schmerzbetäubt.
Und gehen statt im Wald in unseren Gedanken miteinander spazieren.
Ich spüre deine Arme um meine Schultern.
Und ich weiß – wie sich das anfühlt, werde ich niemals vergessen.

 

 

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